come - give kids a chance
come - give kids a chance 

Grünes Heupferd

auf einmal "Das Böse"

 

Ich war mir sicher, dass da eine große, grüne Heuschrecke, ein Heupferd in meiner Wohnung war. Als ich mal aus der Klinik rausdurfte und in meiner Küche auf einem großen, weißen Teller eine normal große, tote Heuschrecke lag, kamen mir Zweifel, ob ich mir das ca. acht cm große Vieh nur eingebildet hatte. An eine normale Heuschrecke konnte ich mich nicht erinnern, nur an ein Riesenvieh. Das aber war nicht da, nur diese Heuschrecke in Normalgröße, die

tot auf dem Teller liegt, den ich benutzt habe, um die große Glas-Vase abzudecken, damit das Riesenvieh nicht entwischen konnte, als ich das Glas auf den Kopf gedreht habe.

 

Meine Nachbarin hatte über Heuschrecken geklagt, über diese

normal großen grünen Hüpfer, in ihrer Wohnung -

In meiner Wohnung war nur dieses riesige, grüne Heupferd. 

Wo kam diese Heuschrecke her? Wie war sie in eine verschlossene Wohnung gekommen - Hatte irgendwer sie hier hingelegt -

Komisch – merkwürdig, aber nicht verrückt…

 

In dieser Psychose - Psychose IV- habe ich zum ersten Mal Halluzinationen. Deshalb bin ich später kurz verunsichert, als ich

kein großes grünes Tier in meiner Wohnung vorfinde, sondern nur

das Kleine…

Was ist wahr und was ist Wahn -

Ich kann mich an die Halluzinationen, die Wahnbilder genau erinnern. Und ich erinnere, was wahr war –

Da war ein großes grünes Heupferd…

 

Dieses grüne Heupferd, das auf einmal auf dem Parkett in meinem Wohnzimmer sitzt, sieht genauso aus, wie das auf dem Foto, das

mir der Insektenkundler inzwischen geschickt hat.

Und es sieht aus, wie das grüne Heupferd, das zwei Jahre später in meinem Schlafzimmer an der Wand sitzt.

Gar nicht so einfach, es nach draußen zu bewegen. Aber vorher fotografiere ich es noch.

Grünes Heupferd Rheingau 2009

 

August 2007 sitzt also ein grünes Heupferd in meinem Wohnzimmer, auf dem Parkett, bewegt sich nicht. Ich bin fasziniert und erschrocken zugleich, stülpe eine große Glas-Vase, ein Windlicht drüber, damit es nicht abhauen kann. Ich zeige es meiner Nachbarin. Ich zeige ihr auch, dass ich dem Tier Melodien vorspiele, um es in den Wahn zu treiben. Schlage mit dem Anhänger meiner Kette immer gegen das Glas und singe

 

„Frère Jacques, frère Jacques dormez vouz...“

 

Das grüne Tier sitzt verschreckt da, bewegt sich nicht. Wenn es sich aber bewegt, terrorisiere ich es wieder.

Mein Wahn nimmt wahnsinnige Ausmaße an. Ich bilde mir ein, das Tier sei das personifizierte Böse, das jetzt in Scharen über die Erde hereinbrechen wird…

Haben sie so einem Tier schon mal in die Augen geschaut – Faszinierend und gruselig zugleich -

Auf einmal aber glaube ich, das Tier hat Macht über mich.

Das in etwa habe ich wohl dem Insektenkundler der UNI Mainz auf den AB gesprochen. Deshalb waren er und seine Frau so beunruhigt, als er nach dem Urlaub die Nachricht – die Botschaft – abgehört hat.

 

Als ich ihm bei dem Telefonat - jetzt dienstlich über Wespen - erzähle, dass ich eine Psychose hatte, hat ihn dies nicht erstaunt, er und seine Frau hätten es vermutet.   

Das Schöne an diesem Telefonat, ein ganz normales Gespräch, er

hat Verständnis, verurteilt mich nicht und ich habe keinen Grund zur Scham…

 

Die Angst kann weichen, der Druck nimmt ab, die Luft kommt zurück.

Es gibt mehr Menschen,

die mit Menschen wie mir umgehen können,

die mich nehmen wie ich bin…  

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Cornelia Merkel