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Drei Männer im Fluss

Von der Quelle bis zur Mündung

 

Sommer 2014 –

Andreas Fath schwimmt 1.231 Kilometer im Rhein - vom Tomasee in der Schweiz bis zur Mündung in die Nordsee bei Hoek van Holland. Der 49jährige Langstreckenschwimmer und Chemie-Professor der Hoch-schule Furtwangen in Baden-Württemberg braucht dafür 28 Tage. Das ist Rekord. Es haben ohnehin nur zwei Menschen vor ihm diese Strecke geschafft.

 

Der Langstreckenschwimmer Ernst Bromeis aus der Schweiz durchschwimmt wenige Tage vor ihm den Rhein.

Im Sportstudium hat er seine Liebe zum Wasser gefunden.

An der Rheinquelle steigt der 46jährige durch ein Eisloch ins eiskalte Wasser - und von da an jeden Morgen in das acht Grad kalte Wasser des Rheins. Ernst Bromeis braucht 44 Tage für 1.247 Kilometer. Wie bei seinem ersten Versuch 2012 muss der Schweizer wieder mit Hoch-wasser und sehr niedrigen Wassertemperaturen kämpfen. Allein bei der Schleuse Iffezheim wird er von Hochwasser fast eine Woche zum Halten gezwungen. Dann kann er seine Fluss-Reise fortsetzen.

 

Der Goldschmied Klaus Pechstein hat im September und Oktober 1969 bessere Voraussetzungen. Der Sommer war warm und trocken. Dennoch steigt der 28jährige morgens bei Nebel ins Wasser und krault stromabwärts. Allerdings hat Pechstein im Bodensee so seine Probleme, kommt nicht recht vorwärts. Keine Strömung. Er schafft am Tag von Romanshorn über Konstanz nach Steckborn nur

17 Kilometer. Sein Taucheranzug und seine Kraulbewegung passen nicht optimal zusammen. An den Schultern reiben die Nähte, Narben bleiben zurück. Gegen die Kälte braucht der Rheinländer aber ein Hülle. Sein Arzt mischt eine Vaseline-Kräuter-Salbe für ihn.

Für seine 1.224 Kilometer braucht er 30 Tage. Liegt es auch an der heute höheren Fließgeschwindigkeit, dass Andreas Fath der Schnellste ist? Oder daran, dass Andreas Fath am Rhein geboren ist – in Speyer am Rhein?

Klaus Pechstein ist auch am Rhein geboren - in Linz. Er hat im Rhein schwimmen gelernt. Ernst Bromeis stammt aus den Schweizer Bergen. Als Wasserbotschafter will er mit seiner Schwimm-Aktion darauf aufmerksam machen, dass Wasser eine Ressource ist – eine Quelle. Quellen können jederzeit versiegen – sind nicht unendlich verfügbar.

 

Am Rheinfall bei Schaffhausen müssen alle drei Schwimmer aus dem Wasser. Schwimmen ist dort unmöglich. Bromeis wie Pechstein umgehen zu Fuß das Hindernis.

Mountainbike oder Kajak sind Alternativen, wo Schwimmen nicht möglich oder verboten ist beispielsweise an der Loreley in Rheinland-Pfalz.

 

Schon 1969 warten auf Klaus Pechstein nach dem Rheinfall bei Schaffhausen weitere Hürden im Rhein. 45 Jahre später auch Hürden auf Ernst Bromeis und Andreas Fath. Denn zwischen Schaffhausen und Kehl wurden ziemlich viele Schleusen in den Rhein gebaut – der lange mehr als Kanal dahinfließt. Monoton ist dieser Teil der Strecke – der Wasserstraße. Mystisch-Romantisches ist hier kaum noch zu spüren, meint Ernst Bromeis.

1969 führt der Rhein nach einem extrem trockenen Sommer wenig Wasser.

Andreas Fath schwimmt auch nicht des Rekordes wegen.

Er schwimmt für die Wissenschaft, will auf den Gewässerschutz aufmerksam machen. Noch immer gelangen Reste von Antibiotika und Drogen ins Trinkwasser von Millionen Menschen.

Während der gesamten 1.231 Flusskilometern entnimmt er deshalb Proben, die er mit seinen Studenten analysieren will.

 

Klaus Pechstein ist der erste Mensch, der den Rhein von

der Quelle bis zur Mündung durchschwimmt – durchkrault – 28 Jahre alt, Schwimmsportler, Vater einer drei Monate

alten Tochter.

"Die Bewegung läuft automatisch ab, ohne dass der Kopf in Anspruch genommen wird." (Rhein-Zeitung)

 

Seine längste Tagesetappe im Herbst 1969 ist mit über 74 Kilometern die zwischen Kehl und Karlsruhe.

Bei der nächsten Etappe bekommt Pechstein bei Mannheim Magenschmerzen mit Erbrechen und Durchfall. Sind Industrie-Abwässer, die in den Rhein eingeleitet werden die Ursache? Kamillentee und Kohletabletten bringen Pechstein, der an seinen Kräften zweifelt,

wieder zu Kräften.

 

45 Jahre später ist das Durchschwimmen des Rheins sicher einfacher, meint Andreas Fath.

"Der Neopren-Anzug ist besser, und der Rhein ist sauberer als 1969." (Rhein-Zeitung)

So sauber, dass seit Jahren wieder Lachse im Rheinwasser schwimmen und man keinen Schutzanzug braucht, um ins Wasser zu gehen.

An guten Tagen lässt sich der Chemieprofessor einfach treiben und schafft so bis zu 15 Kilometer in der Stunde.

"Für mich ist es mentale Erholung." sagt Andreas Fath.

(Süddeutsche Zeitung)

Am Oberrhein sei es schwieriger gewesen – da sei der Rhein enger und gefährlicher.

Die Strömungen rheinabwärts sollte man aber nicht unterschätzen. Gerade im Großraum Köln verunglücken

und ertrinken Jahr für Jahr mehrere Menschen.

 

Am 20. August 2014 schwimmt der 46jährige Ernst Bromeis nach einer Fluss-Strecke bei Hoek van Holland in die Nordsee hinaus. Etwa 200 Kilometer, etwa 1/6 seiner Fluss-Reise, konnte oder durfte er nicht schwimmen. Die ist er dann an Land zu Fuß gegangen. Dafür hat er mehr Zeit gebraucht. Für den Schweizer ist der Rhein, auch wenn da immer mehr Schiffe fahren und er weniger verschmutzt ist, dennoch "wild, nicht zähmbar" geblieben (Rhein-Zeitung).

 

Andreas Fath schwimmt erst zehn Kilometer bis zum Rotterdamer Hafen, dem größten Hafen Europas. Dort geht er auf ein Boot der Hafenbehörde. Schwimmen ist im Rotterdamer Hafen verboten. Es dürfte lebensgefährlich sein. Auf der Höhe von Hoek van Holland springt der 49jährige von Bord, schwimmt die letzten Kilometer in eisigem Wasser aufs offene Meer.

Der Chemieprofessor ist am Ziel, hat die Mündung des Flusses erreicht - die Nordsee – Andreas Fath ist erleichtert und sehr, sehr glücklich.

 

Am 23. Oktober 1969 schwimmt Klaus Pechstein durch eine ziemlich dreckige Brühe, völlig ohne jede Botschaft. Die allerletzte Etappe zieht sich endlos hin. Nur elf Kilometer. Doch der Wind hat aufgefrischt. Wellen schwappen ihm ins Gesicht. Kraulen fällt ihm extrem schwer. Nach 268 Stunden im Wasser kommt Klaus Pechstein in Hoek van Holland –

da wo der Rhein ins Meer mündet - an.

 

Alle Drei - Andreas Fath, Ernst Bromeis und Klaus Pechstein - haben bei ihrer Schwimm-Tour den Rhein auch in extremen Situationen erlebt. Jeder hat mit anderen Problemen gekämpft, sein Ziel am Ende erreicht.

 

Klaus Pechstein hat unterwegs auch für die Kameras im Wasser in Rückenlage mal eine geraucht oder ein Bier getrunken, er war lässiger als seine Nachfolger, war am Ziel in Holland acht / neun Kilo leichter. Er ist der erste, der erste Mensch, der den Rhein durchschwommen, durch-krault hat – von der Quelle bis zur Mündung… und er hat sich einen Jugendtraum erfüllt.

 

"Man muss die Kräfte einteilen, damit man abends nicht

total groggy ist" antwortet Klaus Pechstein 2012 auf die Frage der Rhein-Zeitung, wie er das geschafft hat. Und "Wenn man etwas vorhat, schaut man nicht, wie weit es noch ist, sondern wie viel schon erreicht ist!"

 

Der Rhein könnte noch sauberer sein

 

22 Millionen Menschen beziehen ihr Trinkwasser aus dem Rhein.

Mit bloßem Auge kann man die Inhaltsstoffe im Rheinwasser nicht erkennen. Aber der Fluss hat es noch immer in sich, meint Andreas Fath, Chemie-Professor der Hochschule Furtwangen in Baden-Württemberg -   

Medikamentenrückstände von Antibiotika und Antidepressiva, Süßstoffe aus Softdrinks und Drogen wie Crystal Meth…

All das, was heutzutage nicht von den Kläranlagen aus dem Wasser geholt werden kann.

 

Die Wasserproben, die Andreas Fath gesammelt hat, während er den Rhein von der Quelle – dem Tomasee in

der Schweiz bis zu seiner Mündung in Hoek van Holland – durchschwommen hat, wurden in der Hochschule Furtwangen in Baden-Württemberg untersucht und ausgewertet.

Je länger der Chemiker im Rhein unterwegs war, je weiter

er sich von der Quelle des Rheins entfernte, desto höher wurden die Konzentrationen von Stoffen, die im Rheinwasser nichts zu suchen haben, da sie nicht abbaubar sind. Aber mit jedem Rheinkilometer wird mehr aus Industrie, Landwirtschaft, Kranken- und Pflegestationen und privaten Haushalten zugeleitet.

 

Festgestellt werden:

Blutdrucksenkende Arzneimittel

Antibiotikum

Betablocker

Schmerzmittel

Süßstoffe

Reste aus Spülmaschinen-Tabs
Substanzen aus Antischuppen-Shampoos
Nitrate und Phosphate aus Düngemitteln und Gülle aus der Landwirtschaft. Sie gefährden das Trinkwasser.

 

Der Rhein könnte noch sauberer sein, glaubt Andreas Fath, Chemieprofessor an der Fachhochschule Furtwangen.

 

 

„Es ist unmöglich, zweimal in denselben Fluss zu springen. Auch wenn wir in dieselben Flüsse steigen, fließt immer anderes Wasser herbei.“

 

Heraklit von Ephesos

* um 520 v. Chr.

† um 460 v. Chr.

 

Heraklit von Ephesos war ein vorsokratischer Philosoph

aus dem ionischen Ephesos...

 

will heißen Heraklit hat vor Sokrates gelebt

 

Sokrates, Philosoph

* 469 v. Chr. in Alopeke, Athen

† 399 v. Chr. In Athen)

 

Sokrates war ein griechischer Philosoph, war Lehrer von Platon.

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© Cornelia Merkel